Kronen-Brauerei: Nutzen statt “Besetzen”

Die “Besetzung” der Dortmunder Kronen-Brauerei durch Kreative und andere Aktivisten stösst auf Widerstände und Kritik. Völlig zu Recht.

Wie Arnold Voss bei den ruhrbaronen schreibt , ist eine solch anchronistische Aktion in dieser Form nur sinvoll, um Aufmerksamkeit und Handlungsdruck zu erzeugen.
Dafür müssen aber jetzt der Nutzen und Potentiale des Projektes klarer herausgearbeitet werden, um die Akteure zu überzeugen.
Denn eine Win-Win Situation für alle ergibt sich nur, wenn langfristige und realistische Perspektiven aufgezeigt werden -die Zeiten, in denen Kommunen soziokulturelle Initiativen päppeln konnten, sind lang vorbei.
Umso mehr müssen heute tragfähige kulturökonomische Konzepte her,
um einen solchen Raum interessant und vermarktbar/langfristig etablierbar zu machen.

Sicher hat Stüdemann recht, wenn er sagt, eine Zwischennutzung reduziere die Vermarktungschancen einer Immobile,da sie Verkäufe blockiere und nicht genug Einnahmen für benötigte Sanierungsmassnahmen erziele. Aber hier greift er zu kurz:

Die Stadt muss gerade jetzt den kulturellen Akteuren unter die Arme greifen,
etwa mit ernstgemeinten Beratungsangeboten zur Professionalisierung und Businessplan-Erstellung.

Denn nur so ergibt sich langfristig die Perspektive einer Aufwertung des gesamten Umfelds. Und auch die durchaus ehrenwerten “Besetzer”  stehen jetzt in der Verantwortung, Konzepte zu entwickeln, die nicht nur Stadt und Verwaltung überzeugen, sondern auch alle anderen Marktteilnehmer. Und zwar im ureigenen  Interesse, ihr Projekt langfristigen zu etablieren.

Wenn ein solches Projekt letzendlich scheitern sollte, wäre es billig, die Umstände anzuklagen - vielmehr wären die Probleme beim kulturellen Produkt und seiner Vermarktung zu sehen.

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Kulturpolitik Dortmund: Hoffmann denkt zu kurz

Prof. Michael Hoffmann kritisiert die Aufstellung der Dortmunder Kulturszene. Foto: Marcus Simaitis, WAZ

http://www.derwesten.de/staedte/dortmund/kultur/Harte-Worte-eines-Theater-Freunds-id3689641.html

Hoffmanns Argumentation ist zwar ehrenwert, aber leider etwas altbacken. Man muss ganz neue Ansatzpunkte im Verhältnis von Kultur und Wirtschaft entwickeln, neue Modelle kreieren, die weit über die konventionellen Spar-, Umverteilungs- und Personaldebatten hinaus reichen. Nicht die Überlegung, Hartz IV-Empfänger als Billigkräfte einzuwerben ist zukunftsweisend – das bewegt sich viel zu sehr in den Konventionen des alten Sozialstaatsdenkens. Sondern wie aus Hartz IV-Empfängern qua Kreativ- und Kulturwirtschaftlicher Ansätze ein erfolgreicher Kleinunternehmer werden kann, der nicht vor allem “wenig kostet”, sondern der vielmehr Rentabilität steigert und Gewinn erzielt, das ist die Frage. Die eigene Kreativität – ein Potential, über das jede/r verfügt, was wir spätestens seit Beuys sprichwörtlicher Wendung “Jeder Mensch ist ein Künstler” wissen – zu einer zukunftsfähigen und gewinnbringenden Ressource zu mobilisieren, wird nicht nur den Einzelnen zu einem souveränen Zukunftsakteur machen, sondern auch die Städte in neuem Maße florieren lassen. Darüber muss nachgedacht werden. Herr Hoffmann sollte sich in dieser Richtung neuen Denk- und Forschungsansätzen öffnen. Seine Überlegungen greifen zu kurz.

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Theater verändern kostet Nerven.

Wiederentdecktes Schätzchen: brandeins-Autor Christian Rickens über festgefahrene Strukturen und Beratungsresistenz an deutschen Theatern.

Neue Ansätze sieht er in der freien Szene:

“Wer wissen will, mit wie wenig Geld ein Theater auskommen kann, der muss sich in die freie, nicht subventionierte Theaterszene begeben. Auf diesen Bühnen wird gespielt, was beim Publikum ankommt: Komödien, Musicals, Liederabende, Varieté. Weil sie aufs Geld schauen müssen, kommen diese Theater ohne Werkstätten aus – die Aufträge fürs Bühnenbild werden an freie Handwerker vergeben. Es gibt kein festes Ensemble, die Schauspieler erhalten Verträge für jeweils eine Inszenierung. Die meisten McKinsey-Ideen sind für diese Theater Alltag: Stücke bleiben so lange im Programm, wie Leute kommen und werden jeden Tag gespielt, 100-, 200-mal.”

http://www.brandeins.de/archiv/artikel/viel-geld-fuer-ein-wenig-theater.html

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Vielfalt Pur!

Kennzahlen der Kultur- und Kreativwirtschaft: 237.000 Unternehmen, über 1.Mio. Erwerbstätige, über 131Milliarden Euro Umsatz! Das läßt doch hoffen. Hier gibt’s noch mehr neues und spannendes!

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Interview in der Septemberausgabe von “Bodo”


“Berater im Theater” – Das Dortmunder magazin bodo veröffentlicht mein Gespräch mit dem Dramaturgen Alexander Kerlin über Forschung, das krisengeschüttelte Dortmund und über die Zukunft einer Allianz, die heute mehr denn je notwendig erscheint: Wirtschaft und Kunst.

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Besetzung der Kronenbrauerei – Dortmunds Kreative werden rausgeschmissen

Die Besetzung der Kronenbrauerei und die nachfolgende Räumung beschäftigt die Dortmunder Öffentlichkeit. Kein Wunder: den öffentlichen Haushalten geht es zwar wieder besser – aber noch nicht wieder gut. Der Patient ist von der Intensivstation, aber noch immer in der Reha: Die Gefahr ist nicht überwunden, und es geht ja auch um Nachhaltigkeit. Schließlich erwarten wir Optimisten für Dortmund 2030 blühende Landschaften: ein junges, kraftstrotzendes Dortmund. Dafür brauchen auch wir Initiativen wie die der jungen Künstler. Jedoch dürfen die Besetzer nicht aus den Augen verlieren, dass es langfristig nicht um sie geht, sondern um die Schaffung von Mentalitäten und Strukturen, die eine Aufwertung und Verbesserung unserer urbanen Wirklichkeit nach sich ziehen. Damit unser Patient auch wieder hüpfen und springen kann.

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Chris Dercon argumentiert fehlerhaft

Gestern hat das Print-Magazin “Monopol” ein Interview mit dem designierten Leiter der Londoner “Tate Galery of Modern Art”, Chris Dercon, veröffentlich. Herr Dercon argumentiert zwar glaubhaft und durchaus ehrenhaft, jedoch sind seine Ansichten von einer antiquierten Kunstvorstellung geprägt. Die neue kreative Klasse muss durch einen positiven Diskurs gestärkt werden, der von Aufbruch und Neuanfang erzählt. Stichworte wie “Zombie” oder “Vampir” oder am schlimmsten “Künstlerprekariat” sollten vermieden werden. Die eine oder andere Phase im Jugendalter (das für mich von 15 bis ca. 30 dauert), in der es einem streckenweise – auch ökonomisch – schlecht geht, gehört zum Leben dazu und sollte nicht dramatisiert werden. Schließlich geht es hier um mehr als den Einzelnen. Es geht um den Aufbau einer neuen Gesellschaft, deren Nährboden die Kreativen sind…

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Stadt ohne Geld – Jetzt ist es offiziell

Die Kooperation mit dem Schauspiel Dortmund ist jetzt endlich offiziell *freude*. Kay Voges hat sein ambitioniertes Programm dem Rat der Stadt Dortmund vorgestellt – und unter Applaus wird unsere Kooperation angenommen. Sehr gut! Aufgeregt war ich vorher schon ein bisschen. Mareike Soerensen schickte eine Flasche Sekt nach Dortmund. Hier entsteht bald unsere Projekthomepage: www.stadtohnegeld.de. Eine einmalige Chance für uns und die Stadt Dortmund!

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Endlich klare Systematik für Kultur- und Kreativwirtschaft

Endlich gibt es in Deutschland eine einheitliche und verbindliche Definition zur Kultur- und Kreativwirtschaft. Am 14. Dezember 2009 hat die “Wirtschaftsministerkonferenz” der Bundesländer einstimmig einen Beschluss zur Erfassung der Kultur- und Kreativwirtschaft erzielt…. mehr.

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Studie erschienen

Die ambitionierte Studie “Potential Capacities of the Socially Deprived”, die das Institut für urbane Krisenintervention (IfuK) in Zusammenarbeit mit der Fakultät für New Media, Arts and Communication der Universität Innsbruck erstellt hat, ist endlich abgeschlossen und hier als pdf herunterzuladen. Die Studie geht von der These aus, dass in den unteren ökonomischen und sozialen Segmenten der Gesellschaft, insbesondere in den großen urbanen Konglomerationen,  ungeahntes Potential für nachhaltige Stadtentwicklung und Gentrifizierung schlummert: Wie kommen wir an die kreative Kraft bildungsferner, migrantischer und sozial benachteiligter Schichten?

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